Geschichte

Auf der Terasse, lang und nett,
steht ein gepolstert Ruhebett.
Da streck dich hin, so lang du bist,
und glaube, dass es heilsam ist.
Und denk: Wie schön ist die Natur!
Man nennt das Ding die „Liegekur“.

 

Hotel Schatzalp

Das heutige Jugendstilhotel Schatzalp wurde in den Jahren 1898-1900 von den Zürcher Architekten Otto Pfleghard & Max Haefeli vorbildlich erbaut und konnte am 21. Dezember 1900 eröffnet werden. Die Schatzalp wurde als Luxussanatorium konzipiert und war die fortschrittlichste Heilstätte der Region.

Der Initiant der Schatzalp, Willem Jan Holsboer, suchte lange nach einem geeigneten Platz für seinen Traum. Immer wieder führte ihn sein Weg auf die Schatzalp, damals nur zu Fuss erreichbar. Er fühlte durch Intuition, dass dieser Flecken Erde ganz speziell sein muss. Er spürte, ohne dies wissenschaftlich nachweisen zu können, dass auf der Schatzalp ganz spezielle, positive Ausstrahlungen sein müssen. Erst Jahre nach dem Bau der Schatzalp konnte diese „Ahnung“ auch wissenschaftlich nachgewiesen werden. Dank der Messmethode des Physikers Alfred Bovis, konnten mit dem Bovis-Biometer die Bovis Einheiten gemessen werden. Ist der Mittelwert 6500 Bovis – alles was darunter liegt nimmt Energie, alles was darüber liegt gibt Energie – so messen wir auf der Schatzalp stellenweise bis zu 26‘000 Bovis Einheiten. Als einer der ersten Stahlbetonbauten in Graubünden wies der Schatzalp-Bau neben konstruktiven und installationstechnischen Neuerungen, wie Flachdach, Stahlbetonweise, hoher Sanitärstandard, Bodenheizung etc., auch in therapeutischer Hinsicht weit vorgreifende Änderungen auf.

Willem Jan Holsboer war ein erfahrener Unternehmer und vor allem ein zielstrebiger und risikofreudiger Charakter. „Wenn man auf der Schatzalp ein Sanatorium bauen will, so ist erste Bedingung alle Architektur auszuschliessen, auf 1900m soll dem Wind kein Halt geboten werden, nebenbei soll inwendig das Einfachste und Beste erhalten bleiben. Einfachheit und Eleganz sind schwierig zu vereinigen und da in diesem Projekt eigene Erfahrung angebracht werden muss, so wäre es besser junge Leute zu nehmen, mit denen man sprechen kann.“

Der Fortschritt wurde darin gesehen, nicht alle bisherigen Stilformen zu verwerfen, sondern verschiedener Stile zu verschmelzen und zu verfremden. Man wollte etwas noch nie dagewesenes erreichen und begann statt aristokratischer Palastkultur regionale Architekturmotive aufzunehmen und sie durch Anwendung an neue Bauaufgaben zu nobilisieren.

Bereits der Eintritt in das Sanatorium Schatzalp war nicht klassisch, sondern modern. Durch den kleinen auf keiner Symmetrieachse liegenden Eingang gelangt man weder in ein Vestibül noch in einen Ehrenhof, sondern in eine hohe, an einen Kreuzgang erinnernde Wandelhalle. Dem Eingang gegenüber erblickt man keine grosse Treppenanlage, sondern als Symbol des technischen Fortschritts einen hölzernen Aufzug. Der Stil der Schatzalp, wie der des gesamten Sanatoriumbaus, war ein bedeutender Schritt der Architektur im frühen 20. Jahrhundert und kann als direktes Vorbild der Moderne angesehen werden.

Die verschiedenen Stile und Elemente deren Grundgedanke die englische Reformbewegung „Arts and Crafts” war, deren Gedankengut um 1900 durch zahlreiche Publikationen auf den Kontinent gebracht wurde, veranlasste die Architekten die Réumlichkeiten nicht mehr nach grundrissgeometrischen Argumenten anzulegen, sondern nach der funktionalen Verwendung in geeignete Grösse und Proportion zuzuordnen. Einmalig ist der Umstand, dass die Schatzalp noch genau wie um 1900 gesehen werden kann. Zu keiner Zeit wurde durch Umbauten und unsachgemässe Renovationen dem Haus die Seele genommen. Immer war oberstes Ziel Renovationen so zu handhaben, dass die bestehende Architektur erhalten bleibt und der Eindruck des Sanatoriums nicht angetastet wurde. „Ein alter Diamant hat einen modernen Schliff bekommen“, dieser Ausdruck von Oskar Miller sen. gibt wieder, was das Ziel der Schatzalp-Renovationen ist und auch bleiben wird.

Das Sanatorium, welches auf einen künstlich angelgegten Sonnenplateau steht und nach dessen bestgeeignetesten Platz man fast zwei Jahre lang suchte, wurde nach den neusten Regeln der Hygiene und des Komforts ausgestattet. Kein Detail wurde vergessen. So standen in den Luxuszimmern Badewannen mit Löwenfüssen und geheizten Wannenrand. Sogar die blumenbemalten Klosettschüsseln aus England hatten einen Sitzring der mit heissem Wasser geheizt werden konnte. Die Speiseaufzüge verbanden die Hauptküche mit den drei Etagen und verfügten über Wärmetische, so dass bettlägerigen Patienten alle Speisen frisch und warm ins Zimmer serviert werden konnten. Auch wurden die Zimmer so konzipiert, dass bedingt durch die Stufen zu den grossen Loggias, bis zu zwei Stunden mehr sSonne in die Zimmer scheinen konnte und auch heute noch scheint.

Die Schatzalp war auch an das schweizerische Telephon- und Telegraphennetz angeschlossen und hatte ein eigenes Post- und Telegraphenbüro im Haus.

Wie bereits erwähnt blieb die Seele des Hauses, die Architektur, weitgehend erhalten. Noch heute zeigt sich der Speisesaal und der Konversationsraum wie vor 100 Jahren. Natürlich hat man sich den geänderten Ansprüchen nach Hygiene und Luxus angepasst, aber dabei nie den Charakter des Sanatoriums verändert. Die Zauberberg-Romantik wird auf der Schatzalp immer spür- und sichtbar sein. Sobald die schwere Eisentür geschlossen ist, wird man sich immer in eine Zeit zurückversetzt fühlen, in der es noch Zeit gab. Immer wird auf den Spuren des jungen Castorp oder der anmutigen Madame Chauchat gegangen werden können.

 
 

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